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Klima-Werkstatt
Klimaschutz- und Anpassungspotenziale einer Region und ihre Erschließung

Chiemgau - Inn - Salzach - Berchtesgadener Land

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Fotos: pixelio.de

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Klimawandel in der Region Chiemgau-Inn-Salzach-Berchtesgadener Land


Es wird wärmer

Im Laufe der Klimageschichte der Erde war die mittlere Temperatur immer wieder Schwankungen unterworfen. Untersuchungen von Eis- und Sedimentbohrkernen, Pollenanalysen und Baumringe geben uns Aufschluss über die Klimaschwankungen der Vergangenheit bis zu 400000 Jahre vor heute. Seit 1860 werden kontinuierlich Wetterdaten gemessen. Sie zeigen bis heute einen Anstieg der globalen Temperatur um ca. 1°C. Berücksichtigt man, dass seit dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor ca. 12000 Jahren die globale Temperatur nur um ca. 4.5°C gestiegen ist, so wird die Stärke der Erwärmung von 1°C in 150 Jahren deutlich. Klimamodelle erlauben uns den Blick in die Zukunft. Diese können auf globaler, aber auch verfeinert auf regionaler Ebene durchgeführt werden.

Ein Blick in die Zukunft

Klimamodelle erlauben uns den Blick in die Zukunft. Diese können auf globaler, aberauch verfeinert auf regionaler Ebene durchgefĂĽhrt werden. Im Forschungszentrum Karlsruhe, IMK-IFU, wurden im Rahmen des Projektes Klima-Werkstatt auf Basis von Klimadaten die zukĂĽnftige Klimaänderung in der Region Chiemgau – Inn –Salzach – Berchtesgadener Land (CISBL) versucht zu quantifizieren. Dabei wurde neben den atmosphärischen Veränderungen ein besonderes Augenmerk auf den Wasserhaushalt gelegt. Die Region Chiemgau-Inn-Salzach-Berchtesgadener umfasst, die gesamte Planungsregion 18 sowie das Einzugsgebiet der Alz einschlieĂźlich des österreichischen Anteils der Tiroler Ache.

Temperatur

Vegetationsperiode

Niederschlag

Ausblick

 


Temperatur

Im Laufe der Klimageschichte der Erde war die Temperatur immer wieder Schwankungen unterworfen. Aus diesem Grund wurde bei der Analyse der Klimadaten ein besonderes Augenmerk auf die Ă„nderung der mittleren Temperatur sowie die Ă„nderung der Extreme (Frost und Hitze) legt. Dabei wurden jeweils Mittelwerte der Vergangenheitszeitscheibe 1960-89 und der Zukunftszeitscheibe 2070-99 gegenĂĽbergestellt.
 
 
Abbildung 1: Änderung der mittleren Jahrestemperatur 2070-99 vs. 1960-89 [°C]
Quelle: Institut für Meterologie und Klimaforschung Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU)

Die obenstehenende Abbildung zeigt, dass sich die mittlere Temperatur im Zeitraum 2070-99 im Vergleich zum Zeitraum 1960-89 um ungefähr 3°C erhöhen wird. Die maximale Erwärmung findet im Alpenbereich mit bis zu 3,4°C statt, während sich der nördliche Bereichmit 2,8°C weniger stark erwärmt. Die Sommermonate erwärmen sich dabei im Flächenmittel am stärksten. Neben der mittleren Erwärmung muss auch mit einer Zunahme der warmen Extreme gerechnet werden. 

Abbildung 2: Häufigkeitsverteilung der Lufttemperatur 1960-89 vs. 2070-99 am Gitterpunkt Traunstein.

Dies zeigt sich auch bei der Untersuchung der Temperaturhäufigkeitsverteilung am Beispiel Traunstein (Abbildung 2). Neben einer Verschiebung des Mittelwertes zu höheren Werten hin, fällt die deutliche Abnahme der Frostsituationen und die deutliche Zunahme der extrem hohen Temperaturen mit neuen Hitzerekorden in der Zukunftszeitscheibe auf.

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Vegetationsperiode

Abbildung 3: Absolute Änderung der Länge der thermischen Vegetationsperiode 1960-89 vs. 2070-99 [d].

Die thermische Vegetationsperiode in Mitteleuropa wird oft als Zeitraum, in dem die Tagesmitteltemperatur höher als 5°C  liegt definiert. FĂĽr die ĂĽberwiedgende Anzahl der Pflanzen ist in diesem Zeitraum ein Wachstum möglich. Damit können in diesem Zeitraum auch land- und forstwirtschaftliche Erträge gewonnen werden. Eine Veränderung der Vegetationsperiode kann somit auch Veränderungen in der Bewirtschaftung nach sich ziehen (CHIELEWSKI 2007). Die Untersuchung der thermischen Vegetationsperiode zeigte eine Verlängerung des Zeitraumes zwischen 25 Tagen im Voralpenland und 50 Tagen im alpinen Bereich bei einer gleichzeitigen Verschiebung des Beginns im Norden im Mittel um 13 und im SĂĽden um 27 Tage zum frĂĽheren Termin (Winter) hin.

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Niederschlag

Der Niederschlag stellt für viele agrar- und forstwirtschaftliche Betreibe ein zentrale Komponente dar. Die Klimadaten zeigen eine zukünftige Erhöhung des Jahresniederschlages um durchschnittlich 10%. Allerdings findet diese Zunahme des Niederschlages hauptsächlich im Herbst, Winter und Frühjahr statt.

Abbildung 4: Ă„nderung des mittleren Sommerniederschlages Juni-Juli-August 2070-99 vs. 1960-89 [%]
Quelle: Institut für Meterologie und Klimaforschung Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU)

Die Sommermonate zeigen jedoch ein davon abweichendes Bild: Hier findet ein starke Niederschlagsabnahme bis zu 30% (Abblindung 4) im gesamten Untersuchungsgebiet statt, die sich in sĂĽdliche Richtung, also im Alpenbereich verstärkt. Diese Abnahme des Sommerniederschlags wird in Kombination mit den zunehmenden Sommertemperaturen zu einer neuen Herausforderung fĂĽr die Land- und Forstwirtschaft. 

 

Abbildung 5: Histogramme der Tagesniederschläge für das gesamte Untersuchungsgebiet.

Niederschlagssummen ĂĽber kurze Zeiträume und Niederschlagsintensitäten sind wichtig fĂĽr die Abschätzung von Hochwasserrisiken.  Bei den Stunden- sowei bei den Tagesniederschlägen haben sich im Zeitraum 2070-99 im Vergleich zu 1960-89 neue Maxima gezeigt. Daraus kann eine erhöhte Gefahr von kleinräumigen, durch Gewitterniederschläge ausgelöste Hochwasserereignisse fĂĽr den Zeitraum 2070-99 abgeleitet werden.

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Ausblick


Im weiteren Verlauf des Projektes werden auf Basis von Klimadaten Wasserhaushaltsmodellierungen fĂĽr das Einzugsgebiet der Alz, einschlieĂźlich der Tiroler Ache, durchgefĂĽhrt. Dazu wird das Wasserhaushaltsmodell WaSiM (Schulla & Jasper 2000) auf das Einzugsgebiet der Alz angewendet. Erwartete Resultate dieser Simulationen sind veränderte Hochwasserrisiken, aber auch Aussagen zur Veränderung von Niedrigwasser in den Sommermonaten. Zusätzlich werden hochaufgelöste Schneeäquivalentdaten sowie Bodenfeuchtedaten verfĂĽgbar sein.



Quellen

Chmielewski, F.M. 2007: Folgen des Klimawandels fĂĽr Land- und Forstwirtschaft, pp. 75-85. In:Endlicher, W. (Hrsg.): Der Klimawandel, Einblicke, RĂĽckblicke und Ausblicke, Berlin und Potsdam,134 p.
Schulla, J. & Jasper, K. 2000: Model description WaSiM-ETH, Institute for Geography, ETH, ZĂĽrich, 167 pp.

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